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Elberfelder Hütte - Ein Hüttenwirt erzählt

 

Wie schnell hier oben die Zeit vergeht...

Nicht nur diese Saison, auch die vergangenen 5 Sommer die ich hier als Hüttenwirt verbringen konnte sind wie im Flug vergangen.

Doch heuer kommt es mir vor, als wäre es das Jahr 2011, da war mein langjähriger Freund aus Nepal, Lakpa Dorje Sherpa mit dabei. Heuer arbeiten wir wieder zusammen, und es läuft bestens. Stellt euch vor - für knappe 3 Monate im „letzten Winkel des Gößnitztales“ zu verbringen! Da muss alles passen und meine Mitarbeiter müssen mehr als verlässlich sein. Wir leben hier auf engsten Raum zusammen, verbringen 24 Stunden am Tag zusammen...

Sämtliche Arbeiten werden aufgeteilt und jeder weiß was wann und wie zu tun ist; das ist das aller Wichtigste hier oben, weit weg vom Alltag im Tal und von Zuhause.

So ist es mittlerweile Anfang August und nur mehr 5 Wochen bis wir die Hütte wieder „Einwintern“. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, wo die Wettergötter auf Seiten der Hüttenwirte waren, ist es heuer ein Sommer der ausschließlich von unbeständigen Wetter bestimmt wird. 2-3 Tage halbwegs stabil, danach wieder eine Kaltfront und Regen ohne Ende. Das heißt für uns – abwarten und auf die nächsten Gäste warten. Tagesgäste die aus dem Tal kommen und nach einer kleinen Stärkung wieder absteigen, haben wir nicht, oder so gut wie keine. Es sind pro Saison nur ca. 40 – 50 Tages-Wanderer mit guter Kondition die uns heimsuchen!

Unser „Raumschiff Elberfeld“ wie wir es auch liebevoll nennen liegt bekanntlich ja am Wiener Höhenweg oder auf der „Schoberrunde“. Bei uns wird genächtigt und am nächsten Tag weitergewandert. Auf Grund des Wetters und den Distanzen zu den Nachbarhütten schwanken die Zahlen natürlich und wir haben keinen Einfluss darauf wie viele Wanderer zu uns kommen. War das vergangene Jahr 2015 aufgrund des Wetters ein echtes Highlight, zählt der heurige Sommer wieder einmal zu den schwachen Saisons. Doch abreisen können wir nicht, lassen uns auch nicht aus der Ruhe bringen und freuen uns über jeden Gast der vorbeikommt. Wäre ich hier um nur Geld zu verdienen, wäre ich am falschen Platz. Der Kontakt zu ständig wechselnden Menschen und die Weitergabe an Gebiets- und Ortskenntnissen machen den Job als Wirt auf dieser entlegenen Hütte spannend und weiterhin interessant. Erst gestern ging das Telefon: „Hallo hier spricht Elena, wir sind auf der Hornscharte und finden die Seile nicht im Schnee“. Wie bitte? Auf der Hornscharte liegt seit 2 Wochen kein Schnee...! Nach kurzem Gespräch stellte sich heraus, dass die beiden Damen von der Noßbergerhütte zur Klammerscharte aufgestiegen waren, diese ist um diese Jahreszeit auf Grund der Ausaperung zu gefährlich und daher so gut wie unbegehbar. So blieb ihnen nichts Anderes übrig als denselben mühsamen Weg durch Schotterfelder zurück zu gehen, und ins Tal abzusteigen. Zur Elberfelder Hütte sind sie nicht mehr gekommen.

Man sieht also, dass als Wirt so einiges ansteht und man sich um die Gäste vermehrt auch außerhalb der Hütte kümmern muss. Das sehe ich als meine Pflicht – ebenso wie die kleine Gruppe an jungen Leuten die gestern hier waren. Der Wettersturz heute am 5. August war angekündigt, aber die Glorerhütte sollte unbedingt erreicht werden, weil der Zeitplan das vorschreibt. So wurde um kurz vor 5 Uhr früh zusammen aus dem Fenster geschaut, der Wetterbericht nochmals abgerufen und dann zusammen entschieden; jetzt gleich starten oder hierbleiben. Gleich nach kleinem Frühstück sind sie losgezogen und haben die „Glorer“ noch vor dem Eintreffen der Gewitter und Kaltfront erreicht. Perfekt!

Natürlich nutze ich auch jede Gelegenheit „mein Tal“ zu erkunden und schaue mir die Wege und Übergänge lieber selbst an um dann genaue Infos weiter zu geben. So war ich vor 14 Tagen für ein Frühstück bei Christian auf der Noßbergerhütte. Über die Klammerscharte bin in in weniger als 2 Stunden ja drüben, habe die Verhältnisse gesehen, einen leckeren Kaffee getrunken, das wichtigste „von Hüttenwirt zu Hüttenwirt“ besprochen und über die Hornscharte wieder zurück nach Hause gegangen. Um kurz nach 10 Uhr war ich wieder hier und habe sogleich den Weg über die Hornscharte „frei gegeben“. Sämtliche Versicherungen sind schneefrei und der Weg begehbar, die Klammerscharte ist „gesperrt“.

Neben den alltäglichen Aufgaben wie das Wasserkraftwerk zu warten, sprich Steine neu schichten um den optimalen Zulauf zu garantieren (vor allem nach den heurigen starken Regenfällen), sowie die Reinigung der neuen UV-Anlage, sind die Arbeiten in der Hütte, die täglich auf dem Programm stehen. Alle für heuer geplanten Umbauten wie ein neu gestalteter Winterraum, eine neue Kückendecke sowie der Einbau eines Kühlaggregates im Keller waren ruck-zuck erledigt und erleichtern die Arbeiten!

So wie in den vergangenen Jahren werde ich auch heuer sicher bald wieder dem Glockner einen Besuch abstatten. Da gehe ich um ca. 21.00 von der Elberfelder Hütte weg, nehme um Mitternacht auf der Salmhütte noch einen Kaffee und bin vor Sonnenaufgang am höchsten Berg Österreichs. Beim Abstieg natürlich ein Besuch auf der Adlersruhe bei Peter dem Hüttenwirt. Auch hier ein kurzes Gespräch und eine Suppe zur Stärkung und zurück geht’s über die Salm- und Glorerhütte ins Gößnitztal. Im Gegensatz zur berühmten Glocknergruppe

ist und bleibt die Schobergruppe rund um unser „Raumschiff Elberfeld“ ein stilles Kleinod – nicht überlaufen aber trotzdem mit tollen Gipfelzielen wie der zweithöchste Berg dieser Region – dem Rote Knopf oder die Märchenhaft gelegene Langtalseen...

Schade das der Sommer hier im Hochalpinen Gelände so schnell vergeht...

Schon jetzt wieder freue ich mich auf den kommenden Winter hier oben, das ist aber eine andere Geschichte!

(Gerade eben, heute am 5 August 2016 um 17.00 hat es zu schneien begonnen!)

 

Herbert Mayerhofer

Elberfelder Hütte am 05.08.2016