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Tourenbericht Hochtour im Pitztal - 2016

Zeitraum: 31.07. – 04.08.2016

Teilnehmer: Jupp, Kwi-Soon, Birthe, Peter, Steffi, Michèle, Claudia, Ute

 

Tag 1:
Nach zwei anstrengenden Etappen, erreichten wir am 31.07.2016  gegen 15:30 endlich Mandarfen im Pitztal. Treffpunkt war auf dem Parkplatz der Riffelseebahn auf 1675m. Das war aber noch nicht unser Tagesziel, sondern nur ein Zwischenstop. Jetzt hieß es umziehen, Sachen packen und los Richtung Taschachhaus auf 2434m. Das Wetter war traumhaft. Sonnig und angenehm warm. Der Weg führte uns an der Taschachhütte vorbei und war für Wanderer aller Altersgruppen gut zu gehen. Die Natur um uns herum war einfach atemberaubend. Diese Ruhe und Stille liess einen umgehend den Alltag vergessen und wir freuten uns alle auf unser bevorstehendes Abenteuer.

Nette Gespräche und ein erstes Kennenlernen mit Ute, welche sich alleine aus Dortmund getraut hat, sich unserer Chaostruppe anzuschließen, ließen die Zeit zur Hüttenseilbahn im Nu vergehen und schon wurden wir unser Gepäck los. Auf den letzten Höhenmeter veränderte sich jetzt die Landschaft. Es wird karger und wir kommen über die Baumgrenze. Dementsprechend steil und unwegsam wird nun das Gelände. Und dann kommt unser Ziel in Sicht, das Taschachhaus. Endlich, denn mittlerweile ist es schon recht spät und wir müssen noch unser Lager beziehen und dann können wir endlich auch etwas essen.

Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu und wir fallen alle todmüde ins Bett.

Tag2:
Nach einer unruhigen Nacht sind alle noch etwas gerädert. Aber ein gutes und ausgiebiges Frühstück vom Buffet weckt die Lebensgeister. Danach treffen wir uns alle im Seminarraum, um Trockenübungen zu machen und Knotentechniken zu üben. Anschließend packen wir denn unsere Sachen und machen uns dann auf den Weg Richtung Gletscher. Das Gelände ist uneben und steil. Gletschergebiet halt. Und dann taucht er vor uns auf, der Taschachferner. Ein beeindruckender Anblick. Das Wetter ist bescheiden. Neblig und kühl.

Und dann ist der große Moment gekommen. Wir betreten zum ersten Mal einen Gletscher und gehen auch zum erstem Mal mit Steigeisen. Alle sind ein bißchen aufgeregt. Ein tolles Gefühl. Die ersten Schritte sind ungewohnt und auch ein bißchen wackelig. Aber wenn man den Dreh raus hat, dann ist es ein Erlebnis für sich. Als nächstes bilden wir eine Seilschaft mit allen acht Teilnehmern. Ein tolles Gefühl Teil einer solchen Gruppe zu sein. Beeindruckend sind die ganzen Gletscherspalten und schnell sind wir uns alle einig, das wir die Spaltenbergung, welche wir im Seminarraum als Trockenübung gemacht haben, das wir diese auch im Gletscher üben wollen.

Da das Wetter ziemlich ungemütlich und es auch schon recht spät ist, gehen wir nur ca 100 Hm und machen dann wieder kehrt. Das erste Mal über ein Gletscher mit Steigeisen gehen war ein tolles Erlebnis. Und wir sind alle ein wenig euphorisch auf unserem Weg zurück ins Taschachhaus. Vor dem Abendessen haben wir noch ein bißchen Zeit für uns und verarbeiten noch etwas die Eindrücke von heute und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 3:
Der dritte Tag stand ganz im Zeichen der Akklimatisierung und dem Üben mit Steigeisen zu gehen. Das Wetter war leider nur sehr bescheiden, aber wie heißt es so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.

So ging es dann also auf ca 3000 m hoch und die Stimmung war einfach nur gut. Wir hatten alle unheimlich viel Spaß und die Umgebung ist einfach beeindruckend gewesen. Das Highlight des Tages war dann auch die Spaltenbergung, welche wir am Ende noch geübt haben. Jeder von uns musste einmal das „Opfer“ spielen, das in die Spalte „gestürzt“ ist und einmal derjenige sein, der die „Verantwortung“ für die Bergung hat. Sprich, derjenige sein, der sich darum kümmern muss, das das Opfer sicher geborgen werden kann. Was für ein Gefühl in so einer Gletscherspalte zu hängen. Auf der einen Seite schon ganz schön beängstigend, aber auf der anderen Seite einfach nur „Wahnsinn“, beeindruckend.

Auf dem Weg zurück zum Taschachhaus waren wir alle ziemlich aufgedreht. Ich glaube, das war für jeden von uns ein erstes Highlight bei dieser Tour. Leider hatte dieser Tag auch eine negative Seite. Birthe hat sich eine sehr schmerzhafte Druckstelle direkt auf einer Sehne gelaufen und ich bin leider irgendwie umgeknickt. Wir hofften, das es für uns noch weiter gehen kann.

Tag 4:
Tja, leider brachte der neue Tag keine guten Nachrichten für Birthe und mich. Wir mussten leider eine Zwangspause einlegen. Wir gaben zwar nicht direkt auf, sondern probierten nach dem Frühstück, welches wieder sehr lecker war, in unsere Stiefel zu steigen. Aber schnell wird klar, das wir an diesem Tag nirgends hinlaufen konnten. Jedenfalls nicht in Bergstiefeln. Birthe bekam ein paar Wandersandalen, so konnte sie wenigstens ein bißchen rausgehen. Ich konnte leider nur Badelatschen anziehen, weil mein Fuß mittlerweile so geschwollen war, das man den Knöchel nicht mehr erkennen konnte. Zudem hatte ich mir auch noch eitrige Blasen gelaufen.

Doch der Rest der Truppe machte eine, im nach hinein sehr anstrengende und nicht ungefährliche Tour hoch über einen Klettersteig und zurück über ein Teilstück des Taschachferners welches ein Gefälle von ungefähr 45 Grad hat. Da kam man nur runter, indem man rückwärts ging. Allein beim zuhören wurde mir schon ganz anders. Sie kamen auch alle ziemlich geschafft in der Hütte an.

Birthe und ich verbrachten den Tag mit lesen, quatschen und trinken, ha ha ha. Der Haselnussschnaps war wirklich sehr lecker, ha ha ha. Trotz allem waren wir alle schon sehr aufgeregt, denn morgen sollte der große Tag sein. Laut Wetterbericht sollten wir auch einen schönen sonnigen Tag bekommen. Somit stand dem Aufstieg zur Wildspitze nichts im Wege. Außer unsere Gesundheit.

Tag 5:
Der große Tag war gekommen. Die Wildspitze rief.

Um 03:30 Uhr klingelte der Wecker und wir schleppten uns alle zum Frühstück. Natürlich gab es kein Frühstücksbuffet, aber es war alles da, was man brauchte, vor allem Kaffee. Abmarsch war für 05:00 geplant. Dementsprechend gab es kein ausgiebiges Frühstück.

Die Stimmung von allen war nervös, angespannt aber auch erwartungsfroh. Wir waren alle happy darüber, das es nun endlich losgehen sollte. Doch wie geht es Birthe und mir. Können wir mitgehen? Wir entschieden, das wir bis zum Anfang des Gletschers mitgehen und dort entscheiden, ob wir mitgehen können, oder nicht. Wir wollten beide nicht dafür verantwortlich sein, das alle wieder umkehren müssen, nur weil es bei einem von uns nicht mehr weiter geht. Also packten wir alle unsere Sachen und begaben uns zum Treffpunkt.

Es war noch stockduster, als es dann endlich losgeht. Der Weg zum Gletscher ist schon bei Tageslicht tricky, aber nur im Schein der Stirnlampen dort entlang zu laufen, lässt das Adrenalin schon ein wenig in die Höhe schnellen. Alle waren so aufregend. Der Sonnenaufgang war wunderschön. Am Anfang war es noch etwas bewölkt, aber man sah schon, das wir schönes Wetter bekommen sollten.

Am Gletscher angekommen gab es dann das Go für alle. Ob das nun an der Aufregung, dem Adrenalin oder der Anspannung lag, jedenfalls hatten wir Beide keine Schmerzen mehr und waren bereit das Abenteuer Wildspitze in Angriff zu nehmen. Natürlich waren wir nicht die einzige Seilschaft, die den Aufstieg wagte. Wir waren aber auch nicht die Schnellste. Aber wir wollten auch nicht so schnell wie möglich oben sein, sondern überhaupt oben ankommen. Dementsprechend überholte uns die Ein oder andere Seilschaft. Das war uns aber egal. Natürlich durfte wir nicht zu sehr bummeln, denn wir wollten ja auch im hellen wieder im Taschachhaus sein.

Die erste Pause (zweites Frühstück) machten wir dann so gegen 09:30 Uhr. Und hier beantwortet sich auch die Frage, wie man Pipi macht in einer Seilschaft. Umdrehen und los. Denn sich aus der Seilschaft lösen ist ein absolutes No Go. Sicherheit geht vor. Mittlerweile war es auch wolkenlos und wir hatten strahlend blauen Himmel und die Sonne schien für uns. Es war einfach nur traumhaft. Der Taschachferner zeigte uns alles was er zu bieten hat. Schneebretter, tolle Gletscherspalten und eine atemberaubende Aussicht. Frisch gestärkt ging es dann weiter. Wir hatten noch einen langen Weg vor uns.

Gegen 13:00 hatten wir es dann fast geschafft. Für das letzte Stück ca. 50 Hm mussten wir aber die Steigeisen ausziehen, denn das letzte Stück bestand nur aus Felsen. Unsere Pause war nur kurz, denn wir mussten daran denken, das wir noch einen langen Rückweg vor uns hatten. Und die Temperaturen waren doch ziemlich hoch und somit war der Gletscher nicht mehr in so guten Zustand. Doch die letzten Meter hatten es noch einmal in sich. Machte mir vor Angst fast in die Hose. Mein Gedanke, das schaffst Du nie. Hoch vielleicht, aber runter nie im Leben. Und dann standen wir oben. Der absolute Wahnsinn. Unglaublich. Wir hatten es geschafft. Ich muss ehrlich gestehen, ich hatte Pipi in den Augen. Die ganze Anspannung fiel von mir ab. Natürlich gab es die obligatorischen Fotos mit dem Gipfelkreuz. Und dann ging es auch schon wieder an den Abstieg. Oh mein Gott, was hatte ich Muffe. Doch durch eine einfache Sicherung ging der Abstieg ganz easy. Aber das war nur der Anfang unseres Abstiegs von der Wildspitze. Und dieser sollte noch sehr spannend werden.

Durch die Sonneneinstrahlung war der Schnee sehr sulzig geworden und dadurch schwer zu begehen. Man brach leicht ein und das machte den Rückweg fast anstrengender als den Aufstieg. Zudem wurden die Gletscherspalten jetzt sehr unsicher. Die Schneebretter über den Gletscherspalten weichten auf und man brach sehr schnell durch und es bestand die Gefahr, das wir in die Spalten fallen. Jeder von uns brach mindestens einmal mit einem Bein in eine Gletscherspalte ein. Unser eigentlicher Rückweg wurde uns durch die Sonneneinstrahlung versperrt. Es war wie ein Irrgarten. Mal vor und wieder zurück, mal auf allen Vieren, mal überspringen. Der Rückweg war sehr nervenaufreibend und anstrengend. So wunderschön der Gletscher auch ist, so unberechenbar ist er auch.

Dadurch verlängerte sich unser Rückweg erheblich und so langsam aber sicher bekam der ein oder andere von uns ein mulmiges Gefühl. Das Wasser floss nur so den Gletscher hinab und die Pfützen wurden immer größer. Und dann schlug auch noch das Wetter um und es sah so aus als würde jeden Moment ein Gewitter über uns hereinbrechen. Aber das Wetter hielt zum Glück und unser Ziel kam auch langsam in Sicht. Am Ende des Gletschers waren wir dann alle froh unsere Steigeisen abschnallen  und Richtung Taschachhaus gehen zu können. Total erledigt, müde und geschafft kamen wir dann endlich wieder im Taschachhaus an. Dort hatte man uns netterweise noch unser Essen warm gehalten. So konnten wir uns nach diesem, für uns extrem anstrengenden Tag, wieder stärken und zu Kräften kommen. Danach ging es einfach nur noch ins Bett, denn am nächsten Tag hatten wir noch den Abstieg vor uns.

Eindrucksvolle und erlebnisreiche Tage gingen zu ende. Wir kamen alle an unsere körperlichen und geistigen Grenzen. Aber wir haben es geschafft. Wir waren eine phantastische Truppe. Mit diesen Leuten würde ich sofort wieder so eine Tour machen.