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Inklusion im DAV

Inklusion im DAV

Trainer C Klettern für Menschen mit Behinderungen – ein Erfahrungsbericht

 

Das Thema Inklusion ist derzeit in aller Munde, und auch der DAV widmet sich diesem in verschiedenen Bereichen. Auf großes Interesse ist in diesem Zusammenhang der 2016 neu ins Ausbildungsprogramm aufgenommene „Inklusionstrainer“ – Trainer C - Klettern für Menschen mit Behinderungen gestoßen. Dennis Röhl, Trainer C Sportklettern und selbst aufgrund einer Erkrankung seit einigen Jahren Rollstuhlfahrer (vgl. Vorstellung in Panorama 2/2017) hat kürzlich am Modul 2 der Ausbildung zum „Inklusionstrainer“ teilgenommen und berichtet für Panorama und W-Alpin von seinen Erfahrungen.

Zwölf Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet verbrachten beim Modul 2 der Ausbildung eine Woche zusammen in der Jugendbildungsstätte der JDAV in Bad Hindelang. Alle Teilnehmer brachten bereits Erfahrung mit Klettern mit Menschen mit Behinderungen mit, so dass nicht nur die Kursinhalte an sich, sondern auch der anregende Erfahrungsaustausch untereinander ein großer Gewinn war.

Auch die Ausbilder, Markus Mair, Thomas Listle und Markus Reichert, konnten aus ihrer langjährigen und vielseitigen Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung bei unterschiedlichen bergsportlichen Aktivitäten schöpfen und den Kurs auf einzigartige Weise bereichern. Zum Beispiel faszinierte Markus Mair uns immer wieder mit seinen selbstentwickelten Konstruktionen, welche den Zugang von Menschen mit Behinderung zum Bergsport ermöglichen oder erleichtern oder auch unabhängig davon wertvolle Übungs- und Anschauungsobjekte für die Ausbildung darstellen - vom handlichen Material für abwechslungsreiche Kletterspiele über sehfehlersimulierende Brillen bis zum Bergrollstuhl. Mit letzterem konnten wir als Gruppe mit mir als "echtem" Rollstuhlfahrer besonders realistische Erfahrungen sammeln und gemeinsam einen Weg am Berg zurücklegen, auf dem ich mit einem "normalen" Rollstuhl auch mit Hilfe und/oder Elektrounterstützung keinerlei Chance gehabt hätte. Immer wieder bewährte sich das Motto: "Geht nicht" - gibt's nicht!

Umfassend beleuchtet wurden während des Kurses aber auch die verschiedenen Vorstellungen und die Grenzen von Inklusion und das Thema verantwortungsvoller Umgang der Trainer als "Ermöglicher" mit den persönlichen Grenzen von Teilnehmern. Dem individuellen, besonderen, Menschen gerecht zu werden und eine situationsangepasste Lösung zu finden... dies stellt eine dauernde Herausforderung dar, für die der Kurs nur ein erster Schritt sein kann. In diesem Zusammenhang konnten wir besonders viel anhand von Thomas Listles langjähriger Erfahrung mit dem Programm "No Limits" lernen, worauf er immer wieder anschaulich zurückgreifen konnte.

Abgerundet wurden die Eindrücke und Erfahrungen mit unterschiedlichen Behinderungsbildern durch Markus Reichert, welcher den Bereich der geistigen Behinderungen darstellte und dabei auch das Thema leistungsbezogene inklusive Wettkämpfe behandelte (Special Olympics).

Dass es beim Thema Inklusion noch viel zu tun gibt, zeigte sich für mich am Rande des Kurses: die Jugendbildungsstätte verfügt zwar über ein an sich rollstuhlgerechtes Badezimmer, dieses ist jedoch nur über Treppen erreichbar. Auch die Wege vom Eingang zum Zimmer und zum Seminarraum sowie zum Speisesaal waren jeweils nur über Treppen zu machen... da half die freundliche Frage der Bundesgeschäftsstelle vor Kursbeginn, ob ich denn meinen eigenen Treppenlift mitbringen würde, nicht weiter. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an die Kursleiter und die anderen Teilnehmer, die die Bewältigung der baulichen Gegebenheiten ermöglichten!

Bei der abschließenden Kursreflexion wurde auch die im Vorfeld viel diskutierte Frage erneut aufgegriffen, inwieweit der DAV es behinderten Menschen ermöglichen sollte, an einer Trainerausbildung teilzunehmen. Es bestand Einigkeit darüber, dass Inklusion keinesfalls bedeuten soll, dass die fachlichen Zugangsvoraus-setzungen oder die inhaltlichen Kursanforderungen "aufge-weicht" werden. Behinderte Menschen haben es gleicher-maßen wie nicht behinderte Menschen verdient, das Vertrauen in die fachliche Kompetenz als Trainer zu genießen und müssen dafür auch das Gleiche leisten. Unabhängig davon sollte der Inklusionsgedanke aber etwa bei der Wahl bzw. Gestaltung der Ausbildungsstätte berücksichtigt werden.

So sehe ich dem Modul 3 nun gespannt und mit Freude entgegen... "geht nicht" gibt's nicht!

 

Dennis Röhl, DAV-Wuppertal